ToSyMa-Studienergebnisse Phase 1: +48% Detektionsrate bei invasiven Brusttumoren deutet auf eine Überlegenheit der 3D-Mammografie gegenüber der Standardmethode 2D-Mammografie hin.

Herausforderung

Brustkrebs ist nach wie vor die Krebsart mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Das 2D-Mammograpfie-Screening ist immer noch das Mittel der Wahl für eine wirksame Früherkennung. Berechtigt sind ca. 11,9 Mio* Frauen im Alter von 50–69 Jahren alle zwei Jahre ein Screening mit digitaler Mammografie durchführen zu lassen. Dennoch folgt in Deutschland nur jede zweite teilnahmeberechtigte Frau[1] der Einladung. Unter den verschiedenen Ablehnungsgründen ist z.B. die Sorge vor falsch positiven Befunden (falscher Alarm) oder Überdiagnosen. Doch auch insbesondere falsch negative Befunde gilt es zu verhindern. In diesem Zusammenhang ist ein Nachteil der zweidimensionalen Mammografie die Überlagerung von Gewebestrukturen, welche das Auffinden von Herdbefunden erschwert, so die Studiengruppe um Prof. Walter Heindel.

Die Tomosynthese oder 3D Mammografie löst dieses Problem, da mittels Röntgen erstellte 1mm Schichtaufnahmen einen pseudo-3D-Blick durch die Brust ermöglichen. Und obwohl es bereits etliche Studien zur klinischen Überlegenheit der Tomosynthese vs. der 2D Mammografie gab, lag bei Erstellung des Studiendesigns der ToSyMa-Studie und liegt bis heute keine große randomisierte, kontrollierte MultiCenter und Gerätehersteller-unabhängige Studie vor.

Studiendesign

Der beabsichtigte Mehrwert der ToSyMa-Studie zur bisherig vorliegenden Evidenz liegt im Design als randomisierte kontrollierte multizentrische Überlegenheitsstudie, die im Setting des hoch qualitätsgesicherten Deutschen staatlichen Screening eingebettet ist und herstellerunabhängig von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG finanziert wird. Das Design der ToSyMa-Studie wurde bereits 2018 vorab publiziert.[2] Das Akronym ToSyMa steht für „Tomosynthese (3D) und synthetisierte Mammografie (s2D)“ – im Gegensatz zur bisher im deutschen Brustkrebs-Screening ausschließlich verwendeten digitalen (2D) Mammografie.

Die in den deutschen Screening-Einheiten genutzten Geräte zur digitalen Mammographie und 27 Tomosynthese-Geräte von 5 Herstellern an 17 Standorten des Deutschen Screenings kamen zum Einsatz und entsprachen dem neusten Stand der Technik zum Zeitpunkt der Studieninitiierung. Hierbei ist Hologic mit 44% der 3D Geräte beteiligt.

Ca. 100.000 Teilnehmerinnen des deutschen Brustkrebs-Screeningprogramms im Alter von 50-69 Jahren wurden randomisiert entweder der Interventionsgruppe mit Tomosynthese (3D) einschließlich zusätzlicher synthetisierter Mammographie (s2D) zugeordnet oder der Kontrollgruppe mit digitaler Mammografie (2D). Erstellt wurden in beiden Armen je Brust eine CC- und eine MLO-Aufnahme und durch zwei unabhängige Befunder ausgewertet.

Phase 1

Im Zeitraum vom 5. Juli 2019 bis 30. Dezember 2020 wurden 49.804 Frauen der Gruppe mit Tomosynthese (3D) zugeordnet und 49.830 Frauen der Gruppe mit digitaler Mammografie (2D).

Als erster klinischer Endpunkt wurde untersucht, ob ein relevanter Anstieg in den Erkennungsraten von invasivem Brustkrebs mit Tomosynthese erreicht wird im Vergleich zur digitalen Mammographie (ToSyMa Phase 1). Diese Phase ist mit der Publikation in the Lancet April 2022 abgeschlossen.

Phase 2

Als weiterer klinischer Endpunkt wird das Auftreten von Intervallkarzinomen im Intervall von 24 Monaten bei den beiden Testarmen untersucht (ToSyMa Phase 2). Dies geschieht auf Basis von Auswertungen des deutschen Krebsregisters. Die Software des staatlichen Screennings dokumentiert hierbei Intervallkarzinome im deutschen Krebsregister. Die mögliche Reduktion der Intervallkarzinomsraten wird den inkrementellen klinischen Nutzen der Tomosynthese im Brustkrebs-Screening bestimmen. Die Publikation dieser Ergebnisse wird Anfang 2025 erwartet.

Ergebnisse ToSyMa Phase 1

Die Ergebnisse der ToSyMa-Studie Phase 1 deuten auf eine Überlegenheit der 3D/s2D Mammografie gegenüber dem Standard hin, so das Fazit der Studieninitiator’innen. Eine Steigerung von 33% der Detektionsrate bei invasiven Tumoren war vor Studienbeginn abgeschätzt worden. Mit 48% (7,1 Frauen von 1000) höherer Erkennungsrate für invasiven Brustkrebs als in der 2D-Kontrollgruppe lag die Interventionsgruppe 3D/s2D signifikant über der Erwartung (4,8 Frauen von 1000). Dies ist auch in Übereinstimmung mit früheren Meta-Analysen. Die Erkennungsrate für invasiven Brustkrebs mit Tomosynthese und s2D war vor allem bei Frauen über 60 Jahren im Vergleich zur Kontrollgruppe wesentlich höher.[3]

Die mittlere Lesezeit (Median) lag mit 109 Sekunden für die Kombination von 3D plus s2D verständlicherweise über der mittleren Lesezeit von 48 Sekunden in der Kontrollgruppe 2D. Die Studiengruppe sieht eine Erklärung in der Instruktion, alle 1mm Schichten plus der s2D auszuwerten, da die s2D als Vergleich zu früheren Aufnahmen herangezogen wird. Unter anderem könnte Künstliche Intelligenz in der Zukunft Befundungszeit und Kosteneffizienz optimieren.[4]

Fazit

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Screening mit Tomosynthese vermutlich diagnostische Verbesserungen zeigt.

In einer Publikation in der deutschen Fachzeitschrift Senologie[5] fassen die Studienleiter der ToSyMa-Studie zusammen:

„In der ToSyMa-Studienphase 1 wurde die erste Primärhypothese bestätigt, dass invasiver Brustkrebs im Screening mit der weiterentwickelten Mammografietechnik (Tomosynthese) signifikant häufiger – exakt um 48 % – als mit der Standard- Mammografie entdeckt wird. … Wenn in der ToSyMa-Studienphase 2 nachgewiesen werden kann, dass durch eine weitere Vorverlegung der Brustkrebsdiagnose die Zahl der Intervallkarzinome im Testarm im Vergleich zum Kontrollarm abnimmt, wäre ein längerfristiger Nutzen der Tomosynthese im Screening belegt.“

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Literatur:

*basierend auf Bevölkerungsdaten in Deutschland

[1] Kooperationsgemeinschaft Mammografie, Jahresbericht Evaluation 2019 https://fachservice.mammo-programm.de/download/evaluationsberichte/neu_KOOPMAMMO_Jahresbericht_Eval_2019_20211112_web-Einzelseite.pdf
[2] Weigel S, Gerss J, Hense H, Krischke M, Sommer A, Czwoydzinski J, et al. Digital breast tomosynthesis plus synthesised images versus standard fullfield digital mammography in population-based screening (TOSYMA): protocol of a randomised controlled trial. BMJ Open 2018;8:e020475. doi:10.1136/bmjopen-2017-020475
[3] Heindel W, Weigel S, Gerß J, Hense HW, Sommer A, Krischke M, et al. Digital breast tomosynthesis plus synthesised mammography versus digital screening mammography for the detection of invasive breast cancer (TOSYMA): a multicentre, open-label, randomised, controlled, superiority trial. Lancet Oncol. 2022 May; 23(5):601-611.
[4] Freeman K, Geppert J, Stinton C, et al. Use of artificial intelligence for imaging analysis in breast cancer screening programmes: systematic revie of test accuracy. BMJ 2021; 374: n1872
[5] Heindel W, Weigel S. Erste Ergebnisse zur multizentrischen, randomisierten, kontrollierten Brustkrebs-Diagnostikstudie ToSyMa. Senologie 2022; 19: 125–126.

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