Der Terminus Krebs wird im Allgemeinen als ein Sammelbegriff für eine Vielzahl verwandter Krankheiten benutzt, bei denen das Körperzellwachstum entartet ist. Krebs wird in der Medizin als maligner Tumor bezeichnet. Nach Schätzungen des Robert Koch Instituts aus dem Jahre 2008, liegen ca. 436.000 jährliche Neuerkrankungen in Deutschland vor. Zu den häufigsten malignen Tumorerkrankungen (jeweils ein Viertel der Neuerkrankungen) zählen das Mammakarzinom bei den Frauen und das Prostatakarzinom bei den Männern. Bei beiden Geschlechtern ist das Kolonkarzinom die zweithäufigste Krebsart, an dritter Stelle folgt das Lungenkarzinom.
Maligne Tumore zeichnen sich unter anderem durch Ihre Metastasierung aus. Metastasierung ist eine allgemeine Bezeichnung für Krankheitsprozesse bei denen eine Absiedlung von Zellen oder Zellverbänden in primär nicht erkrankte Körperregionen stattfindet [1]. Insbesondere Tumoren des Magen-Darm-Traktes metastasieren über das Pfortadersystem in die Leber. Zu diesen gehören das Pankreas-, Magen-, und kolorektale Karzinom. Über die Arteria hepatica metastasieren vor allem das Bronchial-, Mamma-, Ösophagus- und Schilddrüsenkarzinom [1]. Da die Leber aufgrund ihrer Funktion im Körper ein potentieller Herd für Metastasierungen ist, haben sich zur Bekämpfung maligner Tumore und deren Metastasen verschiedene Therapieverfahren etabliert. Diese Therapieverfahren sollen einen kurativen, heilenden Charakter besitzen oder aber mindestens palliativ als lebensverlängernde sowie schmerzlindernde Maßnahme Anwendung finden. Mit dem Goldstandard, der chirurgischen Leberresektion, die als einziges potentiell kuratives Verfahren eingestuft wird, kann zum Zeitpunkt der Diagnosestellung nur eine Minderheit (10-20%) dieser Therapieform zugeführt werden. Ebenso weist die chirurgische Leberresektion eine erhebliche Belastung für den Patienten auf [2, 3, 9]. Die vergleichsweise hohen Kosten und die notwendige stationäre Betreuung der Patienten nach beispielsweise einer Leberteilresektion führten zu einer zunehmenden Bedeutung der lokal ablativen Verfahren auch bei primär resektablen Lebermetastasen [4]. „Tumorablation“ ist definiert als die direkte Applikation thermischer Energie oder chemotherapeutischer Substanzen in einen spezifischen Tumorherd, um die Abtragung oder die gänzliche Zerstörung des Tumors zu gewährleisten [5].
Die perkutane Tumorablation umfasst mehrere potentielle Therapiekonzepte. Eine große Gruppe der ablativen Methoden stellen die thermisch Induzierten Ablationstechnologien dar. Wobei die Radiofrequenzablation neben der Mikrowellenablation und der Laserinduzierten Ablation die wohl bekanntesten hyperthermischen Verfahren darstellen. Hyperthermische Verfahren zeichnen sich dadurch aus, dass das Zielgewebe auf über 42°C erhitzt wird und dadurch die Zellhomöostase beeinflusst wird. Eine nahezu vollständige Koagulation des Zielgewebes ist induziert, wenn Temperaturen zwischen 60°C und 100°C erzielt werden. Diese manifestiert sich in einem irreversiblen Schaden der Mitochondrien und der flüssigen Bestandteile des Zytoplasmas der Tumorzellen und deren DNA [6]. Ein weiteres thermisches Ablationsverfahren stellt die Kryoablation dar, bei der das Zielgewebe mit Flüssigstickstoff oder Argon herunter gekühlt, respektive gefroren wird (Es werden Temperaturen von bis zu 180° erreicht) [8]. Hierbei handelt es sich um ein hypothermes Ablationsverfahren. Die irreversiblen Gewebeeffekte sind vergleichbar zu denen der hyperthermischen Verfahren.
Neben der Gruppe der thermischen Ablationsverfahren gibt es eine weitere große Gruppe der Ablationstechnologien, die vaskulären Ablationstechnologien. Diese Verfahren zeichnen sich durch eine regionale Applikation von chemotherapeutischer Substanzen aus. Durch die regionale Applikation chemotherapeutischer Substanzen sollen die Effizienz gesteigert werden, sowie die systemischen Nebenwirkungen, die bei einer konventionellen Chemotherapie auftreten, reduziert werden [7]. Die transarterielle Chemoembolisation (TACE) stellt eines dieser Verfahren dar, hierbei wird die Blutversorgung des Tumors beeinflusst und dadurch kann das Wachstumsverhalten des Tumors besser kontrolliert werden [8, 9]. Die TACE kombiniert die intraarterielle Injektion von chemotherapeutischen Substanzen mit der Embolisation der tumorversorgenden Gefäße, mit dem Ziel, durch Devaskularisierung den Tumor von der Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff abzuschneiden und ausgedehnte Tumornekrosen zu induzieren [8]. Dieses Verfahren wird häufig, mit einem der vorgestellten Verfahren kombiniert, um so eine Effizienzsteigerung zu ermöglichen.
Die hier vorgestellten Verfahren geben einen kleinen Einblick in die Vielfältigkeit der Onkologischen Therapiemodalitäten zur Tumorbekämpfung. Es stellt sich die Frage, existieren eindeutige Standards, die einen Vergleich der Verfahren untereinander ermöglichen? Bereits im Vorfeld der Therapie müssen die zur Verfügung stehenden Verfahren hinsichtlich ihrer Fähigkeiten, in Bezug auf erzeugbare Nekrosengröße (lässt auf die Größe des potentiell zu behandelnden Tumor mit einem Applikator schließen), Risiko und Nebenwirkungen für den Patienten und dem Aufwand der Therapie geprüft werden. Gepaart werden diese Forderungen an eine eindeutige Terminologie und Definition der Vergleichsgrößen um einen Standard festlegen zu können [5].
[1] Dornblüth, O., Hildebrandt, H., Pschyrembel – Klinisches Wörterbuch: 900-904, 1014, 258. Auflage, Walter de Gruyter-Verlag (1998)
[2] Ritz, J.P., Thermische In-situ Ablationsverfahren zur Behandlung von malignen hepatischen Tumoren - Experimentelle und klinische Untersuchungen zur Effektivitätssteigerung und Therapieplanung. In: Habilitationsschrift (2006), Freie Universität Berlin
[3] Birth, M., Hildebrand, P., Dahmen, G., Ziegler, A., Bröring, D.C., Hillert, C., Bruch, H.P., Aktueller Stand der Radiofrequenzablation von Lebertumoren. In: Der Chirurg 75: 417-423, Springer Verlag (2004)
[4] Nöckler, K., Langzeitergebnisse und Komplikationen nach der Laserinduzierten Thermotherapie (LITT) hepatischer Metastasen kolorektaler Karzinome. In: Dissertation (2007), Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
[5] Vogl, Th.J., Basic Principles in Oncology: 3 In: Percutaneous Tumor Ablation in Medical Radiology, Springer Verlag (2008)
[6] Helmberger, Th.K., Radiofrequency Ablation: 8 In: Percutaneous Tumor Ablation in Medical Radiology, Springer Verlag (2008)
[7] Müller, H., Locoregional Chemotherapy including Perfusion: 33 In: Percutaneous Tumor Ablation in Medical Radiology, Springer Verlag (2008)
[8] Kuhlicke, I., Perkutane Radiofrequenzablation der Leber: Vergleich vier verschiedener Radiofrequenzsysteme in einer tierexperimentellen Studie mit und ohne Modulation der physiologischen Leberperfusion: 7-9 In: Dissertation (2006), Eberhardt Karls Universität Tübingen
[9] Zangos, S., Eichler, K., Mack, G.M., Vogl, Th.J., Transarterial Chemoembolization (TACE) and Combined Therapies, 112 In: Percutaneous Tumor Ablation in Medical Radiology, Springer Verlag (2008)