Eine Knochenmarkbiopsie ist eine gängige und häufig durchgeführte Technik zur Entnahme eines Knochenmarkbiopsats. Bei Verdacht auf eine Erkrankung des blutbildenden Systems kann solch eine invasive Diagnostik veranlasst werden. Anhand dieser soll zwischen benignen und malignen Läsionen unterschieden werden [1].

Aufgrund der Vielzahl von weltweit verfügbaren Systemen zur perkutanen Knochenbiopsie, unterscheiden sich diese häufig in der Qualität voneinander. In diesem Skript sollen daher die relevanten Anforderungen an Biopsiesysteme zusammengestellt werden, die qualitativ hochwertige Ergebnisse sicherstellen.

 

Zur Beurteilung der wichtigen Kriterien wird zunächst der Ablauf einer Knochenmarkbiopsie beschrieben. In aller Regel entnimmt der Arzt das Knochenmark aus dem Beckenkamm. Dabei liegt der Patient mit angezogenen Beinen auf der Seite oder gestreckt auf dem Bauch. In seltenen Fällen wird das Knochenmark auch aus dem Brustbein entnommen. Eine solche Punktion des Brustbeines wird in der Rückenlage durchgeführt.

Die lokalisierte Punktionsstelle der Haut wird, nachdem der Patient die entsprechende Lage eingenommen hat, desinfiziert. Nach lokaler Anästhesie des Punktionsgebietes kann zur Erleichterung der Penetration unmittelbar vor der Punktion eine Stichinzision vorgenommen werden. Darauf folgend wird die Biopsiekanüle durch die Haut und die harte Knochensubstanz unter kontinuierlichem Druck, bei gleichzeitiger Drehbewegung, in das Knochenmark eingeführt.

Am Beckenkamm wird dann ein wenige Millimeter (1,5 bis 3 mm) durchmessender kleiner Knochenmarkzylinder entnommen [1,2]. Die gewonnenen Proben mit einer Länge zwischen 13 bis 20 mm werden schließlich mikroskopisch im Labor untersucht [1].

 

Es gibt derzeit folgende verschiedene Versionen von Knochenbiopsiesystemen [3, 4]:

-          mechanische Hohlnadeln

-          mechanische Hohlnadeln mit Sicherungssystem

-          Koaxialsystem mit Bohrer

-          Biopsie Set mit Kirschnerdrahtführung

 

Folgende Probleme mit den verschiedenen Knochenmarkbiopsiesystemen sind bisher bekannt geworden [1, 2]:

 

  • Das Nadelsystem ist umständlich zu handhaben und erschließt sich dem Arzt nicht.
  • Der Kraftaufwand für die Probengewinnung zum Durchdringen der Kortikalis ist zu groß. Eine Knochenmarkspunktion kann daher nicht oder nur unzureichend durchgeführt werden, sodass auch ein Verbiegen der Kanüle möglich ist.
  • Die Griffform ist nicht der Handfläche angepasst, sodass keine ausreichende Führung der Kanüle möglich ist. Darüber hinaus ist eine gute Kraftübertragung nur schwer möglich.
  • Das Biopsat geht auf dem Weg der Bergung der Nadel verloren.
  • Verletzung des Anwenders bei Entfernung des Biopsats aus der Kanüle.
  • Es werden Präparate mit nicht ausreichender Biopsatmenge entnommen.
  • Es werden Präparate mit geborstenem Biopsatmaterial, mit sogenannten Berstungsartefakten, entnommen. Es sei vermerkt, dass es nicht möglich ist, Berstungsartefakte vollständig zu vermeiden. Ihre Ausprägung ist allerdings abhängig vom Druck, der auf die Nadel ausgeübt wird, aber auch von dem gewählten Schliff und dem inneren Aufbau der Kanüle.

 

Aufgrund der oben genannten Probleme bei einer Knochenmarkbiopsie kann eine wiederholende bzw. erneute Biopsie oder in seltenen Fällen eine offene Operation notwendig werden. Um dies zu vermeiden, sollten folgende Anforderungen an Knochenbiopsiegeräte erfüllt sein:

 

·         Verständliche Anwendung der Technik des Biopsiesystems

·         Qualitativ hochwertiges Material für die Stabilität des Instrumentes

·         Ergonomisches Handling zur sicheren Anwendung

·         Geringer und handhabbarer Kraftaufwand bei Durchführung der Biopsie

·         Technische Lösung zur Sicherung des Biopsats in der Biopsiekanüle

·         Lösung für Vorhandensein einer ausreichenden Biopsatmenge

·         Spezieller Schliff (z.B. Kronenschliff) für die Gewinnung von qualitativ hochwertigen Präparaten

·         Keine Beschädigung des Biopsats bei Zylinderentfernung

·         Keine Verletzungsgefahr des Anwenders bei Zylinderentfernung aus der Kanüle

 

 

References:

 

  1. The percutaneous Bone Biopsy: In vitro Study for Comparison of Bone Biopsy Needles; M. Uhl et al; Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie vom Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, Ausgabe 03/09
  2. Assesment of bone biopsy needles for sample size, specimen quality and ease of use; C.C. Roberts et al, Skeletal Radiol 2005; 34:329-335
  3. Stellenwert CT-gesteuerter Biospien; Inaugoral Dissertation von Steffen Beckmann; Medizinische Fakultät Georg-August-Universität Göttingen, 2006
  4. Bartl, R. and Frisch, B.: Biopsy of Bone in Internal Medicine. Kluwer Academic Publishers, Dordrecht 1993