VERTEBROPLASTIE:
Strahlenexposition während der Intervention
(Autor: Thammo Weise)
Im Vergleich zu den möglichen Komplikationen der zementbasierten Wirbelkörperaugmentationen, wird die Thematik der Strahlenexposition für den Operateur und den Patienten bei solchen minimalinvasiven Interventionen noch weitgehend außer Acht gelassen. Weshalb sich in der gesamten Literatur zum o. g. Thema in Zusammenhang mit der Vertebroplastie / Kyphoplastie auch nur wenige Publikationen finden lassen. Um die Strahlenbelastung eines Menschen zu ermitteln, ist nicht allein die Strahlendosis, auch Strahlqualität genannt und meist in Gray [Gy] angegeben, entscheidend, sondern vielmehr die so genannte Äquivalentdosis, gemessen in Sievert [Sv], die Wichtungsfaktoren für verschiedene Gewebearten unter Berücksichtigung der Strahlart mit einschließt. Die Äquivalentdosis ist proportional zur Bestrahlungszeit und indirekt proportional zum quadratischen Abstand zwischen Strahlenquelle und dem exponierten Organ. In Deutschland wird durch die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) ein Dosisgrenzwert von jährlich 20 mSv für Personen festgelegt, die durch ihre Berufsausübung ionisierender Strahlung ausgesetzt sind.
Obwohl die Methoden der berücksichtigten Studien hinsichtlich der untersuchten Materialien und der bildgebenden Verfahren sehr unterschiedlich sind, findet sich stets die Aussage wieder, dass es im Gegensatz zu anderen Interventionen bei der Vertebroplastie und Kyphoplastie zu einer verhältnismäßig hohen Strahlenexposition für Arzt und Patient kommt. Um Leckagepotentiale frühzeitig zu erkennen, werden beispielsweise hochauflösende Angiographiegeräte genutzt, die natürlich eine exzellente Bildgebung liefern, aber auch deutlich höhere Strahlendosen verwenden. In Abhängigkeit der behandelten Wirbelkörper (Anzahl und Lokalisation) entspricht die Strahlenbelastung des Patienten etwa der einer Ganzkörper-Computertomographie und kann nach Nutzen-Risiko-Abschätzung bedenkenlos toleriert werden. Hautschäden sind ebenso nicht zu erwarten, da der Abstand zur Strahlenquelle ausreichend groß ist und für gewöhnlich der Eingriff nicht mehrmals jährlich stattfindet.
Der durchführende Arzt jedoch befindet sich unter Umständen zumindest mit einer Hand während der Lokalanästhesie, der Wirbelkörperpenetration und der Zementinjektion im Strahlengang und erreicht je nach Interventionsdauer 100 bis 300 μSv. Damit steigt das Krebsrisiko des Arztes bereits um 0,025% pro Intervention. Die Studien zeigen auch, dass man durch zusätzliche Maßnahmen wie Schilddrüsenschutz und Bleihandschuhe die effektive Strahlenexposition um 43 bis 86% verringern kann. Durch den Einsatz eines geeigneten Injektionssystems, das die Hände des Operateurs weiter von der Strahlenquelle entfernt, kann die Strahlenexposition um weitere 22 bis 64 % verringert werden. Die Verwendung eines Zementapplikators bedeutet für den Patienten wiederum zusätzlich Strahlung, da der Knochenzement langsamer verabreicht werden kann und bis zum Dreifachen der Durchleuchtungszeiten im Vergleich zu einfachen Spritzen entstehen.
Für Radiologen ist die genaue Einhaltung aller Regeln der Strahlenhygiene selbstverständlich, ein Thema, was für Chirurgen und Orthopäden manchmal nur eine untergeordnete Rolle spielt. Hinsichtlich der Akzeptanz der Vertebroplastie zeigt sich damit auch, dass Injektionssysteme (mit ausreichendem Abstand zur Strahlenquelle) ebenso wirkungsvoll für die Strahlenexposition wie für die Leckagevermeidung sind. SOMATEX bietet mit dem Cement-Injection-System (CIS®) und dem VTPNadelhalter gleich zwei Instrumente an, die effektiv die Strahlenexposition verringern und einen weiteren Schritt in Richtung maximale Sicherheit darstellen.
Herzlichst, Ihr Thammo Weise |