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SOMATEX® -Newsletter vom 09.02.2007

VERTEBROPLASTIE:

FOLGEFRAKTUREN
(Autor: Thammo Weise)

Im Hinblick auf die effiziente Schmerzreduktion der beiden Verfahren Vertebroplastie und Kyphoplastie, gibt es keine Zweifel. Zahlreiche Publikationen belegen den Erfolg. Das Thema möglicher Frakturen, die nach einer Zementaugmentation auftreten, wird jedoch weiterhin kontrovers diskutiert. Zu dieser Thematik finden sich jüngst - zumeist retrospektive - Studien, die neue Aspekte der Techniken beleuchten und insbesondere die Langzeiteffekte untersuchen.

In der Literatur werden im Wesentlichen drei Hauptgründe für Anschlussfrakturen benannt. Wie man anhand der in Klammern benannten Verfasser erkennen kann, schließen sich diese drei Ursachen keinesfalls gegenseitig aus.

Das Auftreten von Frakturen in benachbarten Wirbelkörpern ist:

  1. als natürliche Folge der fortschreitenden Osteoporose zu werten. Es ist niemals ein isolierter Knochen betroffen, sondern immer der gesamte Skelettapparat. Selbst ohne eine Zementaugmentation steigt das Risiko, nach einer initalen Fraktur eine weitere zu erleiden, um das Vierfache. (Heini, Lindsay, Fribourg).
  2. auf ein erhöhtes Maß an Bewegung zurückzuführen. Die PatientInnen agieren infolge der Schmerzlinderung wieder körperlich aktiver. Nicht augmentierte Wirbel werden somit stärker belastet. (Uppin, Heini)
  3. die Ursache für die veränderte Biomechanik der Wirbelsäule. Durch den injizierten Knochenzement nimmt die Steifigkeit des Knochens partiell bis auf das 36-fache zu. Die auftretenden Kräfte verteilen sich auf die umliegenden Wirbel und führen so eine neue Fraktur herbei. (Baroud, Polikeit).

Alle drei aufgeführten Gründe sind zunächst als Hypothesen zu betrachten, deren endgültiger Beweis noch aussteht. Die ersten beiden Argumente sind zweifellos nachvollziehbar, aber im Rahmen der Therapie nicht zu beeinflussen. Die dritte Hypothese, deren Ansätze numerisch als Finite Elemente Methode (FEM) betrachtet wurden, bestätigt den so genannten „Stützpfeilereffekt“. Dieser besagt, dass die Steifigkeit der behandelten Wirbelkörper zunimmt und die Gelenkflexibilität des betreffenden Wirbelsäulenareals erheblich abnimmt. Bei Bewegungen erzeugt der Muskelapparat daraufhin eine Gegenkraft, die wiederum den Druck auf die benachbarte Bandscheibe erhöht. Daraus ergäbe sich ein direkt erhöhtes Frakturrisiko. Eine mögliche Verbesserung dieser Situation ließe sich erreichen, indem man das E-Modul (Maß der Flexibilität) des Knochenersatzstoffes auf humanäquivalente Werte reduzieren würde. Eine weitere Chance besteht in der Beschränkung auf „minimale Füllungen“, also die Injektion von nur wenigen Millilitern Zement pro Wirbelkörper. Es gibt eine Vielzahl von Studien, die sich mit der Thematik der Folgefrakturen befassen. Bisher konnte jedoch keine Arbeitsgruppe allgemeingültige Daten vorweisen. So findet man beispielsweise Publikationen, die ein erhöhtes Frakturrisiko widerlegen und Veröffentlichungen, die wiederum keinen direkten Zusammenhang wischen der Therapie und den Frakturen feststellen können. Da bisher vorrangig die Schmerzreduktion im Mittelpunkt der Untersuchungen stand, wurden verschiedene korrelierende Faktoren, wie beispielsweise die applizierte Menge, auftretende Leckagearten, uni- oder bipedikuläre Zugangswege oder das Geschlecht der Patienten, oftmals nur unzureichend betrachtet.
Einen Standpunkt vertreten dennoch nahezu alle Meinungsbildner: zwischen Kyphoplastie und Vertebroplastie kann bei der Frage nach Folgefrakturen kein Unterschied gemacht werden.

Herzlichste Grüße

Ihr Thammo Weise

   
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