TELTOW Jeder vierte Bundesbürger über 50 Jahren leidet an Osteoporose. Verursacht wird die langsame Zersetzung der Knochen durch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Schmerzen, Fehlhaltungen und Knochenbrüche sind die Folgen.
An einer neuen Methode, mit der bereits abgebaute knöchrige Wirbelsäulensubstanz therapiert werden sollen, forscht das Teltower Unternehmen für Medizintechnologie Somatex. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm startete gestern das mit 1,2 Millionen Euro aus Mitteln der Europäischen Union geförderte Projekt. Symbolisch schnitt er das traditionelle rote Band durch, das zwischen zwei plastischen Wirbelsäulenmodellen gespannt war.
Derzeit stoppen die Ärzte den Verfall lediglich durch die Positionierung von Knochenzement in den Wirbelkörpern. Die Schmerzen werden dadurch gelindert, doch die Fehlhaltung bleibt. Mit der neuen Methode soll die Wirbelsäule nicht nur stabilisiert, sondern auch aufgerichtet – also in den ursprünglichen Zustand gebracht werden. Die einzelnen Elemente werden zunächst mechanisch aufgeweitet und anschließend gefüllt.
Dazu müssen ein neues Material sowie entsprechende Werkzeuge wie Kanülen zum Platzieren der Substanz entwickelt werden. "Eine Kanüle muss lang, elastisch, dünn und stabil sein. Das sind die Eigenschaften, welche nur schwer miteinander zu vereinbaren sind", beschreibt Urs Schneider, Themenfeldleiter Medizintechnik bei der Fraunhofer Technologie-Entwicklungsgruppe, die Herausforderung an die Forscher.
Somatex ist auf seinem neuen Weg jedoch nicht allein. Ein Netzwerk von sechs europäischen Firmen aus Wissenschaft, Forschung und Hochtechnologie beteiligt sich an diesem Projekt. Zwei Jahre lang hat der vom Teltower Technologieunternehmen angeführte Verbund Zeit, um ein patentfähiges Produkt auf den Markt zu bringen. Äußerst beeindruckt vom Vorhaben zeigte sich Schönbohm. "Was Sie hier geleistet haben, ist unglaublich. Eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Forschung und Hochtechnologie wurde geschaffen."
Gelingt es Somatex und seinen Partnern, eine anwendungsfähige Methode zu entwickeln, sollen alle Krankenkassen die Behandlung übernehmen, sagt Schneider. Doch an erster Stelle stünde die Therapie mit Medikamenten. Erst wenn diese nicht anschlägt, käme die Neuentwicklung zum Einsatz.
Um der Osteoporose vorzubeugen, können die Bürger allerdings auch selbst etwas tun. So verhindere zum Beispiel der verstärkte Verzehr von Milchprodukten, Käse und auch Schokolade das Schwinden von Kalzium der Stoff, der den Knochen die Stabilität verleiht und für eine ausreichend dichte Struktur sorgt, so der Themenfeldleiter Medizintechnik.
Den Vertrieb der zukünftigen Forschungsergebnisse will das seit 2001 in Teltow tätige Unternehmen selbst übernehmen. Produzieren werden andere. Auch wenn das Projekt nicht zum gewünschten Erfolg führt, so geht die Arbeit am Teltower Standort weiter. 2001 kam Somatex in die Stadt, welche mehrere Existenzgründungen vorzuweisen hat. "In Teltow sind wir näher an den Anwendern unserer Produkte – den Kliniken – dran als in Cottbus", begründet Projektmanager Thammo Weise den Standortvorteil. Inzwischen zählt das Unternehmen mehr als 25 Mitarbeiter. |