Innovatives Teltower Unternehmen sucht nach neuen Lösungen für medizinische
Instrumente / Besuch des Innenministers
OLAF BRUNS TELTOW
Den "spirit" - den Geist - des Gründers könne man in den Räumen der Teltower Firma SOMATEX® förmlich
spüren, lobte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm gestern bei einer Besichtigung der
Entwicklungs- und Produktionsstätten des medizinischen Feintechnologieunternehmens. "Nicht ganz wie
Bill Gates in der Garage, aber doch fast", nämlich zu Hause am Küchentisch, habe Firmengründer Frank
Kniep das auf die Entwicklung innovativer medizinischer Instrumente spezialisierte Unternehmen "vor
12 Jahren aus der Taufe gehoben".
Der heimatliche Küchentisch des gelernten Kaufmanns, der erst über die Beschäftigung mit Logistik und
Materialkunde zu den medizinischen Gerätschaften kam, stand damals noch bei Lübben im Spreewald.
Im Jahr 2002 ist die Firma, die innerhalb von zehn Jahren von zwei auf 30 Mitarbeiter gewachsen war,
nach Teltow umgezogen.
"Der Umzug hat sich als Glücksgriff erwiesen", so Frank Kniep, "zum einen brauchten wir die
Hauptstadtnähe, zum anderen sind wir hier in guter Gesellschaft: Teltow ist ja Technoterrain!" Nicht nur
mit anderen Unternehmen aus ähnlichen Branchen, vor allem mit Krankenhäusern, wie der Berliner
Charité und dem Potsdamer Ernst- Bergmann-Klinikum arbeitet man hier eng zusammen.
Von speziellen Nadeln und Kanülen zur medizinischen Gewebeentnahme, über
Mammografie-Instrumente bis zu Methoden der Laserbehandlung von Tumorleiden reicht die aus diesen
Kooperationen resultierende Produktpalette.
Im vergangenen Jahr hatte sich das Unternehmen der Schmerztherapie von Osteoporose-Patienten
zugewandt. Häufig leiden diese, infolge von Wirbelbrüchen aufgrund abnehmender Knochenfestigkeit,
unter heftigsten Qualen.
Die sogenannte Vertebroplastie kann hier Abhilfe schaffen: Ein Polymer-Zement wird in den
schmerzhaften und porösen Wirbel injiziert. Sobald der Stoff hart geworden ist, verleiht er dem
Knochen neue Festigkeit. Selbst Patienten mit bereits verkrümmtem Rücken finden auf diese Weise zu
einer geraden Haltung zurück und sind in der großen Mehrheit binnen weniger Stunden, und meist für
mehrere Jahre, schmerzfrei.
Das Verfahren wurde bereits vor 20 Jahren in Frankreich entwickelt. "Merkwürdigerweise", so Johannes
Hierholzer, Chefarzt der Radiologieabteilung des Potsdamer Klinikums, "beginnt es sich erst in den
letzten Jahren auch bei uns durchzusetzen."
Vielleicht erhält diese Entwicklung dank einer Teltower Erfindung neuen Auftrieb: Wurde der Zement
bisher in einer großen Operation eingebracht, hat Dirk Hornscheid, einer der Produktentwickler der
Firma SOMATEX® mit dem "Cement Injection System " ein Instrument entwickelt, das es ermöglicht, den
Knochenzement im Rahmen einer ambulanten Operation bei lokaler Anästhesie zu injizieren. Gerade für
viele Patienten höheren Alters eine Innovation, die die Operation überhaupt erst möglich macht.
Doch nicht nur die erhöhte Lebensqualität der Patienten spielt eine Rolle: Nur noch rund 500 Euro, so
Johannes Hierholzer, würde ein solcher Eingriff dank der neuen Technik kosten. Gegenüber den
ungefähr 1000 Euro, die bei vielen Patienten allein für die medikamentöse Behandlung nur des
Schmerzes allmonatlich anfielen, könnte dies - auch für die Krankenkassen - eine Möglichkeit für
enorme Kostenersparnis sein. "Beantragt ein Patient bei seiner Kasse eine Kostenübernahme", so Frank
Kniep, "heißt es leider immer noch häufig: 'kenn'n wa nich - jiibt'et nich!'"
Jörg Schönbohm jedoch, dessen Tochter und Sohn selber Mediziner sind, hätte keine Bedenken, das
Verfahren im Krankheitsfall auch an sich selbst durchführen zu lassen: "Weil es einfach einleuchtet." |