Teltow 27.10.2006. Auf dem vom Brandenburger Medizintechnik-Hersteller SOMATEX initiierten "Berlin-Brandenburger Osteoporosetag" am 20. Oktober 2006 beklagten Ärzte und Patientenverbände ein Informationsdefizit hinsichtlich Vorsorge und Therapiemöglichkeiten. Als Krankheit sei Osteoporose schon lange bekannt, aber Patienten stießen im Klinikalltag oder beim Hausarzt oft auf das Phänomen, dass den behandelnden Ärzten neue Therapieverfahren nicht geläufig seien.
"Oft gelangen Informationen über neue Therapien, wie zum Beispiel die Vertebroplastie oder auch Hormontherapien, nicht schnell genug zum Arzt", so umriss der Radiologe Dr. Wolfram Schwarz, Oberarzt am Berliner St. Joseph Krankenhaus, eines der Kernprobleme im Zusammenhang mit der weit verbreiteten Krankheit. Der Hausarzt müsse sich in vielen Richtungen weiterbilden und habe dafür leider nur eingeschränkt Zeit.
Karin Mertel, Präsidentin des Selbsthilfeverbands Netzwerk-Osteoporose e.V., sah hier aber nicht nur die Mediziner in der Pflicht: "Die Ärzte allein trifft keine Schuld. Es ist wichtig, dass auch Patienten sich informieren. Allzu oft werden aber bestehende Möglichkeiten gar nicht genutzt." Karin Mertel hält es deshalb für wichtig, dass Patienten sich organisieren oder sich einem bestehenden Selbsthilfeverband anschließen. Hier gäbe es fortlaufend die aktuellsten Informationen über Vorsorge- und Therapiemöglichkeiten.
Auch Dr. Siegrun Steppuhn vom Ministerium für Gesundheit des Landes Brandenburg hatte in ihrer Einführungsrede an die Betroffenen appelliert, stärker selbst aktiv zu werden. Patienten müssten lernen, mit der Krankheit umzugehen und ihren Lebensstil anzupassen. "Natürlich sollen notwendige Mittel durch die Krankenkassen bereitgestellt werden", betonte Dr. Steppuhn, darüber hinaus sei aber auch Selbsthilfe eine wichtige Säule der sozialstaatlichen Versorgung.
Hinsichtlich der medikamentösen Therapie beklagte Karin Mertel vom Netzwerk-Osteoporose e.V. eine Unterversorgung der Osteoporosepatienten – nur für etwa 20 Prozent der diagnostizierten Fälle würden derzeit medikamentöse Therapien bewilligt. Allerdings sei es keineswegs so, dass Krankenkassen Osteoporose-Therapien grundsätzlich blockierten, so Thammo Weise, Produktmanager bei SOMATEX Medical Technologies. Als Beispiel führte er die neue Therapiemethode der Vertebroplastie an, die bereits 2004 - wenige Jahre nach ihrem ersten Einsatz in der medizinischen Praxis - vom Gemeinsamen Bundesausschuss in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen worden sei und seitdem bei einer entsprechenden Indikation auch bewilligt werde.
Einig waren sich die Teilnehmer des Osteoporosetags in der Einschätzung, dass es in Deutschland ein Defizit bei der Diagnose der Krankheit gebe. Längst nicht jeder Osteoporosefall würde auch als solcher erkannt. In diesem Zusammenhang schlug Dr. Wolfram Schwarz die Kombination einer Knochendichtemessung mit dem Mammascreening vor. Auf diese Weise könne ein Anfangsverdacht gestellt werden. Insgesamt, so Dr. Schwarz sollten die Ärzte sich stärker interdisziplinär mit Osteoporose auseinandersetzen: "Pädiater, Unfallchirurgen, Orthopäden, Radiologen, Gynäkologen und niedergelassene Ärzte müssten an einem Strang ziehen."
Am Ende des Tages blieb das Fazit, dass es sowohl auf Seiten der Mediziner als auch bei den Patienten mehr Initiative geben sollte, die Wissensbasis über die Volkskrankheit Osteoporose zu verbreitern. "Wenn der Berlin- Brandenburger Osteoporosetag seinen Beitrag hierzu geleistet hat, dann hat sich unser Engagement gelohnt", resümierte Frank Kniep, Geschäftsführer des Initiators SOMATEX Medical Technologies. |